Home   Allgemein   Zecken und Borreliose: Erfolgreiche Aktionstage auch in 2017

Zecken und Borreliose: Erfolgreiche Aktionstage auch in 2017

In Berlin fiel am 6. Mai der Startschuss für die diesjährigen Aktions- und Protesttage in Deutschland. Der Wettergott spielte mit und die aktiven Mitglieder des Aktionsbündnisses „OnLyme-Aktion.org“, nebst ihren motivierten Mithelfern, freuten sich über das Interesse und die Zustimmung, die ihnen seitens der Passanten zuteilwurden. Viele waren froh und dankbar für die Aufklärungsflyer, die Kleineren freuten sich über die Luftballons und den Info-Comic und es kam immer wieder zu intensiven Gesprächen.

  

Ähnliches erlebten die OnLyme-Aktion.org-Mitglieder, die am 27. Mai in Hamm über die Gefahr durch Zeckenstiche aufklärten. Trotz der großen Hitze an diesem Tag kamen viele interessierte Menschen, um sich u. a. über die richtige Entfernung von Zecken und über mögliche Symptome einer Infektion zu informieren; gleichzeitig kam es immer wieder zu einem beeindruckenden Erfahrungsaustausch. Etliche Passanten hatten bereits unliebsame Bekanntschaft mit Zecken gemacht und damit auch mit den Unwägbarkeiten der so übertragenen Infektionen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Häufig gestaltet sich die Diagnose schwierig; es gebe Ärzte, so die Passanten, die Borreliose aufgrund fehlender Wanderröte kategorisch ausschließen. Einige der Standbesucher berichteten über ihre eigenen, sehr persönlichen und traurigen Erlebnisse mit Lyme-Borreliose. Festzuhalten ist, dass offenbar noch immer viele Irrtümer über Zecken in der Öffentlichkeit kursieren. Beispielsweise erklärte so mancher Passant, er sei „gegen Zecken geimpft“ und damit gegen von Zecken übertragene Krankheiten gefeit.

 

Auch die Leipziger standen in diesem Jahr wieder im Rahmen von „Selbsthilfe bewegt!“ bereit, um aufzuklären, aufmerksam zu machen und nicht zuletzt kritisch darauf aufmerksam zu machen, dass Menschen mit Borreliose nicht die notwendige Aufmerksamkeit von medizinischer, politischer und wissenschaftlicher Seite erhalten.

Es gab viel Lob für die Aktivitäten der Leipziger, die nach Kräften durch die Onlymies-Jugendgruppe unterstützt wurden. Später drehte auch kurz ein Team des Leipzig-Fernsehens. Hier ein paar Eindrücke vom Tag.

Zum dritten Mal in Folge fand der OnLyme-Aktionstag in Mainz statt. Die Passanten hatten viele Fragen, häufig auch zur „Zeckenimpfung“, zu welchen Jahreszeiten Zecken aktiv sind, wie man sich am besten vor zecken-verursachten Krankheiten schützen und wie die Lyme-Borreliose verlaufen kann. Überraschend war, dass es inzwischen einige interessierte und sehr gut informierte Kinder gibt, die zum Teil sehr genau wissen, auf was sie achten müssen, wenn sie im Freien spielen. Einige fremdsprachige Mitbürger fanden auch ihren Weg zum Informationsstand.

 

 

 

 

 

 

 

In Saarbrücken gab es viele Gespräche mit Patienten, die die Diagnose Multiple Sklerose (MS)  erhalten hatten. Eine junge Mutter, die mit der Diagnose MS im Rollstuhl saß, diskutierte sehr lange am Stand, u. a. auch mit einem Neurologen, der anfänglich alles über Borreliose zu wissen schien. Später hörte er interessiert zu und gab ihr seine Privattelefonnummer.

Eine Apothekerin äußerte sich besorgt und auch enttäuscht darüber, dass Ärzte sich ihrer Meinung nach oft kaum mit zeckenübertragenen Infektionen auskennen. Wichtige Hinweise zur Diagnostik und Therapie der Lyme-Borreliose können Ärzte in den Leitlinien der Deutschen Borreliose Gesellschaft finden.

 

 

 

 

 

 

 

Um einige Fragen zu beantworten und mit etlichen, falschen Informationen aufzuräumen, hier:

Die 10 gefährlichsten Irrtümer über Zeckenstiche

Irrtum Nr. 1: „Ich bin gegen Zecken geimpft.“

Falsch! Es gibt keine „Impfung gegen Zecken“, sondern nur eine gegen das von Zecken übertragene FSME-Virus. FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis (Hirnhautentzündung). Doch erstens übertragen Zecken nur in bestimmten Regionen dieses Virus und zweitens ist FSME in Deutschland, verglichen mit der Lyme-Borreliose, relativ selten. Die meisten FSME-Erkrankungen zeigen überdies einen leichten Verlauf. Gegen alle anderen von Zecken übertragenen Krankheiten, wie Lyme-Borreliose, Ehrlichiose, Babesiose u. a. schützt die „Zecken-Impfung“ gar nicht.

Irrtum Nr. 2: An Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erkrankt man nur im Frühling

Falsch! Der Name ist irreführend. An FSME kann man das ganze Jahr hindurch erkranken, solange Zecken aktiv sind. Wobei wir schon beim nächsten Irrtum sind:

Irrtum Nr. 3: Im Winter ist das Risiko für einen Zeckenstich gleich Null

Falsch! Zecken sind bei Temperaturen um 7° C bereits sehr munter – ganz egal zu welcher Jahreszeit. An milden Wintertagen kann man sich mit einem Zeckenstich ebenso infizieren, wie an einem Sommer- oder Herbsttag.

Irrtum Nr. 4: Zecken „holt“ man sich vor allem im Wald

Falsch! Die Gefahr lauert häufig im eigenen Garten, bei der Gartenarbeit. Aber auch beim Joggen, Angeln, Golfen, Wandern, im Freibad und auf der Parkwiese. Nicht zu unterschätzen ist auch das Zeckenstich-Risiko durch „wandernde“ Zecken beim eigenen Haustier. Beim Streicheln von Hasso und Mieze wechseln die Zecken unbemerkt auf die Haut des Zweibeiners, um sich dort eine dünnhäutige Stelle wie beispielsweise die Achselhöhle oder Kniekehle zu suchen.

Irrtum Nr. 5: Zecken lassen sich durch Duschen entfernen

Falsch! Hat das Spinnentier zugestochen, sitzt es durch Widerhaken richtig fest in der Haut und übersteht sowohl Kratzen als auch Duschen.

Irrtum Nr. 6: Wenn man die Zecke schnell entfernt, verhindert man Infektionen

Falsch! Krankheitserreger befinden sich häufig bereits im Zeckenspeichel, wie beispielsweise die FSME-Viren und Rickettsien. Sobald die Zecke sticht – sie sticht übrigens mit einem hochentwickelten Stech- und Fräs-Apparat und beißt nicht – gelangt ihr infektiöser Speichel sofort in die Wunde. Auch etliche andere, durch Zecken übertragene Krankheitserreger können deutlich schneller, als vielfach angenommen, übertragen werden. Alleine das Quetschen der Zecke, wenn man vielleicht mit den Fingern oder ungeeigneten Instrumenten versucht, sie herauszuziehen, kann dazu führen, dass sie ihren Darminhalt sofort in die Stichstelle entleert, mit allen Krankheitserregern.

Irrtum Nr. 7: Borreliose ist ganz leicht an der Wanderröte zu erkennen

Falsch! Studien zeigen, dass nur etwa die Hälfte der Infizierten überhaupt eine Wanderröte entwickeln. Damit wartet jeder Zweite vergeblich auf das allseits bekannte Frühsymptom und merkt nicht, dass er mit Borrelien infiziert ist. Eine Wanderröte kann zudem atypisch aussehen oder sich an Körperstellen bilden, wo sie unentdeckt bleibt. So wird die Borreliose nicht erkannt und die rechtzeitige Behandlung unterbleibt. In den Leitlinien zur Kutanen Borreliose findet man Hinweise auf das unterschiedliche Aussehen einer Wanderröte.

Irrtum Nr. 8: Die Infektion mit Borrelien erkennt man an der typischen Wanderröte

Falsch! Man kann an Borreliose leiden, auch wenn man nie eine Wanderröte an sich bemerkt hat. Die Lyme-Borreliose kann stattdessen wie eine Grippe oder Erkältung beginnen; kann sich aber auch durch Übelkeit, Magen-Darm-Probleme, Schwindel und andere Symptome bemerkbar machen. An einen Zeckenstich oder an eine Zecke erinnern sich ebenfalls die Wenigsten. Das ist nicht weiter verwunderlich, da der Löwenanteil der Stiche durch Zeckennymphen verursacht wird. Nach der Larve ist die geschlechtslose Nymphe das nächste Entwicklungsstadium. Diese Teenies sind punktkleine Geschöpfe, die kaum jemand an sich bemerkt. Tagelang können sie saugen, ohne aufzufallen.

Irrtum Nr. 9: „Meine Wanderröte ist inzwischen von selbst verschwunden, leide ich gar nicht mehr unter Borreliose?“

Falsch! Die Wanderröte kann – auch ohne therapeutische Einwirkung – wieder verschwinden, damit aber nicht die Borreliose. Aus den Behandlungsempfehlungen der Deutschen Borreliose-Gesellschaft: „Das Erythema migrans (Wanderröte) ist für eine Lyme-Borreliose beweisend. Konsequenz: Sofortige antibiotische Behandlung. Je früher die antibiotische Behandlung einsetzt, umso besser kann die Infektion beherrscht werden. Schon 4 Wochen nach Infektionsbeginn ist der Behandlungserfolg deutlich geringer.“

Irrtum Nr. 10: Man kann Borreliose zweifelsfrei durch einen Routine-Bluttest feststellen

Falsch! Die gängigen ELISA-Tests sind nicht standardisiert und relativ unzuverlässig. Sie können sowohl falsch-positive, als auch falsch-negative Ergebnisse aufweisen.

Angesichts der vielen Falschinformationen rund um von Zecken übertragene Krankheiten erscheint es dem Aktionsbündnis OnLyme-Aktion.org dringend notwendig, die Bevölkerung  zu informieren, gerade auch, weil die häufigste Infektion, die Lyme-Borreliose, ein Stiefkind der Medizin und Wissenschaft ist. Wer unter Borreliose leidet, stellt schnell fest, bei dieser Erkrankung fehlt es an allem, was medizinische Versorgung im 21. Jahrhundert ausmacht: Es gibt weder standardisierte, zuverlässige Tests, noch eine Therapie, die den Erreger mit Sicherheit eliminiert.

So kommt es, dass Mitglieder von OnLyme-Aktion.org traditionell, gemeinsam mit vielen Betroffenen weltweit, im Borreliose-Monat Mai auf die Straße gehen. 

An dieser Stelle an ganz großes DANKESCHÖN an alle Mitglieder und Unterstützer für dieses Engagement! 🙂

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen