Home   Allgemein   Borreliose-Patienten sind auch Wähler – Aktionsbündnis kritisiert Gesundheitsminister Bahr

Borreliose-Patienten sind auch Wähler – Aktionsbündnis kritisiert Gesundheitsminister Bahr

In einem offenen Brief, der über 7.000 Mitunterzeichner fand und im Mai 2013 dem Bundesgesundheitsministerium zuging, hat das Aktionsbündnis gegen zeckenübertragene Infektionen Deutschland e. V., OnLyme-Aktion.org, auf die schlechte medizinische Versorgung von Patienten mit Lyme-Borreliose in Deutschland aufmerksam gemacht. In dem Offenen Brief verweist das Aktionsbündnis darauf, dass den Patienten im fortgeschrittenen Krankheitsstadium häufig eine kausale Therapie mit Hinweis auf die Studienlage verweigert werde. Dabei unterstrich das Aktionsbündnis erneut, dass die Studienlage widersprüchlich sei und es gerade bei der Lyme-Borreliose im fortgeschrittenen Stadium keinen therapeutischen Goldstandard gebe. Vor diesem Hintergrund fordert OnLyme-Aktion.org, dass Borreliose-Patienten aus medizinisch-ethischen Gründen endlich Entscheidungsoptionen im Sinne der „partizipativen Entscheidungsfindung“ zugestanden werden.

Bis jetzt, wenige Tage vor der Bundestagswahl, hat es nur diese Reaktion des Bundesgesundheitsministers auf eine Anfrage des Abgeordneten Josef Göppel gegeben (Achtung, man verdreht sich leider den Kopf – der CSU-Abgeordnete Josef Göppel hat diesen pdf-Anhang auf Abgeordnetenwatch.de eingestellt).

„Jedes Jahr erkranken mindestens über 200.000 Menschen durch Zeckenstiche neu an Lyme-Borreliose; gleichzeitig ist die medizinische Versorgung in der fortgeschrittenen Krankheitsphase völlig unzureichend“, erläutert eine Sprecherin des Aktionsbündnisses. „Vor diesem Hintergrund sollte Minister Bahr bewusst sein, dass diese Betroffenen, ihre Familien und Freunde ebenfalls Wähler sind, die nun zur Kenntnis nehmen, dass das Bundesministerium auf den offenen Brief und die Nöte von Tausenden nur mit Floskeln reagiert.“

Zuschriften, die das Aktionsbündnis in den letzten Wochen erreichten, machten deutlich, dass die Antwort des FDP-Ministers für Enttäuschung bei den Wählern sorgt. „Eine Partei, deren  Bundesgesundheitsminister einem Ministerium vorsteht, das mit keinem verbindlichen Satz auf die Belange Tausender Patienten eingeht, ist für mich am 22. September nicht wählbar“, lautet der Tenor der E-Mails, die OnLyme-Aktion.org zugegangen sind.

Weitere Reaktionen auf Fragen an die Abgeordneten:

Theresa Schopper (Die Grünen)

Joachim Herrmann (CSU)

Rainer Erdel (FDP)

Willi Braase (FDP)

Volkmar Klein (CDU)

Christine Stahl (Die Grünen)

Christine Haderthauer (CSU)

Karin Altpeter (SPD)

Engagierte Bürgerinnen und Bürger haben bereits zuvor Abgeordnete zum Thema Lyme-Borreliose befragt, wie hier und hier nachzulesen ist. Bis auf wenige Ausnahmen kann dabei festgestellt werden, dass die befragten Abgeordneten die seit Jahren verwendeten Versatzstücke lediglich in unterschiedlicher Reihenfolge zusammenstellen.

Hintergrund zum offenen Brief:
Seit Jahren gibt es aufgrund mangelnder Langzeitstudien einen medizinischen Meinungsstreit, insbesondere um die Behandlung einer Borreliose im fortgeschrittenen Stadium, der auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird. Es fehlt an spezialisierten Ärzten, an zuverlässiger, standardisierter Diagnostik und an einer sicher heilenden Therapie. Mangels adäquater europäischer Studien stützen sich die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland überwiegend auf US-Studien, obwohl diese aus verschiedenen Gründen gar nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar sind.

Neueste Forschungsergebnisse wiederum deuten darauf hin, dass Borreliose eine persistierende Infektion sein kann und Patienten im Spätstadium von einer erneuten oder längeren antibiotischen Therapie profitieren. Doch während sich Patienten bei vielen Erkrankungen nach entsprechender Aufklärung durch den behandelnden Arzt für oder gegen eine Behandlungsoption entscheiden können, wird den meisten Borreliose-Patienten nach 21 Tagen jede weitere antibiotische Behandlung verweigert.



4 comments

  1. Bis heute ist noch keine Antwort auf den Offenen Brief zu verzeichnen. Über 7000 Menschen haben diesen unterzeichnet. Bei der Überreichung im Gesundheitsministerium in Berlin wurde kein Gesundheitsminister Daniel Bahr gesehen, noch nicht einmal eine Vertretung von ihm wurde zu den Überbringern gesendet.
    Und desweiteren antwortet anscheinend unser Herr Gesundheitsminister auf keinen Offenen Brief – er kann sich doch nicht mit jeder seltenen Erkrankung herumschlagen, ganz klar, ist doch zu verstehen – oder nicht!
    Aber auch 7000 Unterzeichner haben auch eine Wählerstimme, nur anscheinend eine zu geringe Menge, um diese ernsthaft zu fürchten. Aber auch kleine Zeichensetzer können ihre Wirkung erzielen!
    Warum kein offizieller Aufruf an alle Unterzeichner, mit ihrer Wählerstimme ein Zeichen zu setzen?
    Wir wünschen Herrn Bahr und seiner jungen Familie viel Gesundheit – und dass keine Zecke ihren Weg kreuzt …

  2. Beim Lesen ist mir aufgefallen, dass teils die verwendeten Argumente der Abgeordneten identisch waren, nur in anderer Reihenfolge verfasst. abgeordnetenwatch.de Christine Stahl (GRÜNE) und Theresa Schopper (GRÜNE) Antworten waren nahezu identisch. Gibts da vorgefertigte Textbausteine für die Antworten aus der Politik und ein internes Gesetz, dass von den Textbausteinen nicht abgewichen werden darf, eigenes Denken ist nicht gefragt?

    Ich fand das erschreckend. Danke für diese Seite hier, ich hatte schon Angst, dass ich mir das nur eingebildet habe, dass die Aussagen im Inhalt nahezu identisch waren.

  3. Herr Bahr, keine Antwort ist auch eine Antwort! Wir antworten Ihnen! Mit einer Versagung der Wählstimme dem Gesundheitsminister Herrn Daniel Bahr gegenüber in der Hoffnung auf Solidarität vieler Wähler!

  4. Herr Bahr hat uns bis zum Wahltag am 22. September 2013 keine Antwort auf den Offenen Brief vom 11. Mai 2013 gegeben. Unsere Antwort dagegen war klar und deutlich. Herzlichen Dank an alle, die ihm diese Antwort gegeben haben!


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