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Borreliose: Vortragsnachlese zur Neuroborreliose – SHG Leipzig

Am 27. Oktober 2016 hatte die Borreliose-SHG Leipzig Professor Dr. Tobias Back, Chefarzt des Sächsischen Krankenhauses Arnsdorf zu Gast. Wir freuen uns, dass unser Mitglied, Wiebke Friedrich, uns hier ihre Nachlese zum Vortrag „Neuroborreliose – besonders Schlaganfälle nach Vaskulitis“ zur Veröffentlichung zur Verfügung stellt.

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Herbstvortrag zum Thema „Neuroborreliose – besonders Schlaganfälle nach Vaskulitis“ von Wiebke Friedrich

Im Rahmen unseres diesjährigen Herbstvortrages war am 27. Oktober 2016 Prof. Dr. Tobias Back, Chefarzt des Sächsischen Krankenhauses Arnsdorf, zu Gast in unserer Selbsthilfegruppe. Er hielt einen interessanten Vortrag zum Thema „Neuroborreliose“, insbesondere zu möglichen Schlaganfällen nach Vaskulitis (entzündliche Erkrankung der Blutgefäße).

„Lyme-Borreliose-assoziierte Erkrankungen gehören zu den häufigsten durch Zecken (Ixodes ricinus) übertragenen Erkrankungen in Europa. Borrelieninfektionen können neben lokalen Entzündungsreaktionen auch das zentrale Nervensystem betreffen oder sogar zu Schlaganfällen und Hirninfarkten führen. Allerdings sind bei der Diagnose mehrere Faktoren zu berücksichtigen.“
Quelle: „Zerebrale Vaskulitis – ein Update“ aus www.skh-arnsdorf.sachsen.de/ueber_uns/publikationen/

Die Neuroborreliose (NB) ist eine von vielen möglichen Manifestationen der Erkrankung an Lyme-Borreliose. Die Vaskulitis nach Schlaganfall ist sehr selten. In der Region Ostsachsen wurden in den neurologischen Kliniken innerhalb der letzten 18 Jahre (1997 bis 2015) 13 Schlaganfälle, die durch eine akute oder chronische Lyme-Borreliose mit Vaskulitis indiziert wurden, per Datenerhebung erfasst. Diese Datenerhebung schloss nur Patienten mit einer gesicherten Neuroborreliose ein.

Prof. Back erklärte in seinem Vortrag an Hand von Patientenbeispielen aus seiner Praxis, wie die Diagnose erfolgte und dass bei einem Schlaganfall selten an eine Borreliose gedacht wird.

Back sprach in seinem Vortrag von drei möglichen Kriterien in der Diagnostik: der möglichen NB, der wahrscheinlichen NB und der gesicherten NB. Hier sieht man schon in der Formulierung, dass eine NB genau wie eine Borreliose sehr schwer zu diagnostizieren ist! Das bedeutet als Fazit für die Praxis, dass borrelienspezifische Antikörper Jahrzehnte im Liquor persistieren können und diese ohne gleichzeitigen Nachweis entzündlicher Veränderungen im Liquor kein Zeichen einer aktiven NB darstellen. Er sagte, dass man bei mehreren leichten Schlaganfällen hintereinander an eine mögliche NB denken sollte, z. B.  bei einer Armlähmung, die nach wenigen Tagen zurückgeht.

Der Einladung zum Vortrag folgten fast 60 interessierte bzw. an Borreliose erkrankte Besucher, sodass unser Beratungsraum bis auf den letzten Stuhl besetzt war. Im Anschluss an den Vortrag konnten die Besucher in einer Diskussionsrunde viele Fragen zum umfangreichen Thema Borreliose stellen und Prof. Back versuchte alle zu beantworten.

Unter anderem wurde in der Diskussion die häufig wiederkehrende Frage zur Aussage der Antikörper-Labor-Tests gestellt und „Habe ich Borreliose?“. – Diese Antikörpertests zeigen nur den stattgefundenen Kontakt mit dem Erreger der Borreliose an, das bedeutet aber nicht, dass jeder Kontakt zu einer Erkrankung führt. Die Tests sind qualitativ sehr unterschiedlich und auch nicht standardisiert. Eine generelle, aktuelle, akute oder chronische Erkrankung an Borreliose kann nur anhand der klinischen Befunde diagnostiziert werden. Die Labortests werden unterstützend zur Diagnostik mit herangezogen. Nach wie vor gibt es keinen Test, der eine Borreliose 100 %ig sichern oder ausschließen kann. Leider ist auch diese Problematik vielen Ärzten noch nicht bekannt.

Herr Schlegel, Leiter unserer SHG, gab im Vorfeld und am Ende der Veranstaltung zusammenfassend einen Überblick zur aktuellen Borreliose-Problematik. Er berichtete u. a. von der im März 2016 verabschiedeten S2k-Leitlinie zur Kutanen Manifestation der Lyme-Borreliose und über die Herausgabe eines sehr umfangreichen Nachschlagewerkes – Lehrbuch von Dr. Berghoff – „Lyme-Borreliose“.

Jeder sollte sich aber bewusst sein, dass die bakterielle Infektion zu langwierigen Krankheitsverläufen führen kann, weil es bis heute keinen Impfschutz, keine standardisierte, zuverlässige Diagnostik und keine sicher heilende Therapie gibt!

Unser Dank gilt dem Gesundheitsamt der Stadt Leipzig und der AOK plus, welche uns bei der Vorbereitung der diesjährigen Vorträge unterstützten.

Kontakt:
Borreliose-Selbsthilfegruppe Leipzig
Gert Schlegel
borreliose-leipzig@gmx.de
Tel. 0341 3382155
Achtung, neue telefonische Beratungszeiten: Mo – Fr 10 – 13 und 16 – 18 Uhr

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